Die Geschichte von Solitär: von der Patience zur Bildschirm-Ikone
Kaum ein Spiel hat so viele stille Stunden gefüllt wie Solitär. Doch bevor es zum Inbegriff des digitalen Zeitvertreibs wurde, hatte es bereits ein langes Leben auf grünem Filz und am Wohnzimmertisch.
Ein Spiel für eine Person
Der Name verrät schon alles: Solitär kommt vom lateinischen „solitarius", dem Einzelnen. Anders als die meisten Kartenspiele braucht es keinen Gegenüber — man spielt gegen den Zufall der Mischung und gegen die eigene Geduld. Im englischen Sprachraum heißt diese Gattung deshalb bis heute „Patience", also Geduld. Belegt sind solche Ein-Personen-Kartenspiele seit dem späten 18. Jahrhundert, zunächst in Nord- und Mitteleuropa. In den Salons des 19. Jahrhunderts gehörten sie zum guten Ton, und so manche literarische Figur vertrieb sich die Zeit mit dem Legen der Karten.
Hunderte Varianten, ein Prinzip
Was wir heute meist meinen, wenn wir „Solitär" sagen, ist eigentlich nur eine von vielen hundert Patience-Varianten: Klondike. Bei ihr werden die Karten in sieben Spalten gelegt, und aufsteigend nach Farben sortiert auf vier Ablagestapel gebracht. Daneben existieren unzählige Geschwister — FreeCell etwa, bei dem alle Karten offen liegen und beinahe jede Partie lösbar ist, oder Spider, das mit zwei kompletten Kartendecks und langen absteigenden Reihen arbeitet. So verschieden die Regeln im Detail sind, das Grundgefühl bleibt dasselbe: Ordnung aus dem Durcheinander schaffen, Schritt für Schritt.
Der Sprung auf den Bildschirm
Seine wahre Weltkarriere begann das Spiel erst, als es kein Kartendeck mehr brauchte. Anfang der 1990er-Jahre legte ein großer Software-Hersteller seinem Betriebssystem eine digitale Klondike-Version bei — offiziell, um den Menschen den Umgang mit der noch neuen Maus beizubringen. Das Ziehen und Ablegen von Karten war die perfekte Übung. Der Nebeneffekt war gewaltig: Millionen Menschen, die zum ersten Mal an einem Computer saßen, lernten zwar die Maus zu bedienen — vor allem aber lernten sie, dass ein Rechner auch Spaß machen kann. Solitär wurde zum heimlichen Star unzähliger Büros und zum Sinnbild der kleinen Pause zwischendurch.
Warum es bis heute funktioniert
Der anhaltende Erfolg hat Gründe, die weit über Nostalgie hinausgehen. Solitär ist in Sekunden erklärt, lässt sich jederzeit unterbrechen und braucht weder Mitspieler noch Internetverbindung. Jede Partie ist neu, jede gelöste Auslage ein kleiner, klar umrissener Erfolg. Psychologen sprechen von einem idealen Verhältnis aus Anforderung und Können: leicht genug, um nicht zu frustrieren, fordernd genug, um die Gedanken vom Alltag zu lösen. Genau dieser Zustand des ruhigen Aufgehens in einer überschaubaren Aufgabe macht den eigentümlichen Sog des Spiels aus.
Solitär heute
Auf modernen Geräten ist Solitär längst überall verfügbar — im Browser, auf dem Smartphone, ohne Installation. Die Regeln sind dieselben geblieben wie auf dem grünen Filz, nur das Mischen und Geben übernimmt der Computer in Sekundenbruchteilen. Wer mag, kann seine Zeiten festhalten und sich mit sich selbst messen. Und so verbindet das Spiel zwei Welten: die ruhige Tradition der Patience und die Bequemlichkeit des digitalen Zeitalters.
Vom Zeitvertreib zum Denksport
Mit der Verbreitung am Bildschirm änderte sich auch der Blick auf das Spiel. Aus dem reinen Zeitvertreib wurde für viele ein kleiner täglicher Denksport: Wie schnell schaffe ich eine Partie? Lässt sich diese Auslage überhaupt lösen? Gerade Varianten wie FreeCell, bei denen fast jede Verteilung eine Lösung hat, laden zum genauen Planen ein — hier entscheidet nicht das Glück der Mischung, sondern die Reihenfolge der Züge. Wer vorausschaut, hält sich Wege offen und vermeidet, sich früh in eine Sackgasse zu manövrieren. So wandelte sich die stille Patience für manche zur ernsthaften kleinen Knobelei, deren Reiz im Optimieren liegt — bei vollem Erhalt der ursprünglichen Ruhe.
Selbst ausprobieren
Lust bekommen? Leg eine Runde Solitär (Klondike) ein oder probier die Varianten FreeCell und Spider. Weitere Hintergründe findest du im Magazin.
Häufige Fragen
Woher stammt die Bezeichnung „Solitär"?
Vom lateinischen „solitarius", dem Einzelnen — denn anders als die meisten Kartenspiele spielt man Solitär allein, gegen den Zufall der Mischung. Im Englischen heißt die Gattung „Patience", also Geduld.
Ist Solitär dasselbe wie Patience?
„Patience" ist der Oberbegriff für Geduldsspiele mit Karten; „Solitär" bzw. „Klondike" ist die bekannteste einzelne Variante davon. Umgangssprachlich werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet.
Warum war Solitär auf alten Computern vorinstalliert?
Anfang der 1990er-Jahre lag eine Klondike-Version vielen Betriebssystemen bei — offiziell, um den Umgang mit der damals neuen Maus zu üben. Das Ziehen und Ablegen von Karten war die ideale Übung und machte das Spiel weltbekannt.
Lässt sich jede Solitär-Partie gewinnen?
Bei Klondike nicht jede — manche Auslagen sind nicht lösbar. Varianten wie FreeCell dagegen, bei denen alle Karten offen liegen, sind fast immer gewinnbar; dort entscheidet das Können statt das Glück der Mischung.